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27.01.2010. MANOWAR in Munich - 25 January 2010

 

MANOWAR (Special Guests METALFORCE – HOLYHELL)

25. Januar 2010, München, Zenith

MARKUS HERRMANN 

 

 

 

Die DEATH TO INFIDELS WORLD TOUR 2010 führte MANOWAR - die selbsternannten Väter des True Metal - Ende Januar 2010 nach München. Hätten die vier Amerikaner vor 20 Jahren wahrscheinlich noch locker die Olympiahalle gefüllt, mussten sie heute in der nicht ganz ausverkauften - deutlich kleineren - Zenith-Halle auftreten.

 

 

Im Vorprogramm spielten zunächst einmal METALFORCE aus Deutschland. Ganz ehrlich, vor welcher anderen Band als MANOWAR sollten die Jungs sonst auftreten? Nicht besonders einfallsreiche oder gar kreative Mucke, aber auf jeden Fall True Metal. Keine Experimente, die hätte die etwas farblose Stimme des Sängers auch gar nicht zugelassen. Warum das METALFORCE-Motto „faster, louder, METALFORCE“ lautet, ist mir immer noch nicht klar … Vielleicht ist hier der Wunsch Vater des Gedanken: es gibt schnellere und lautere Bands wie Sand am Meer. Aber wenn’s auch nur ein paar MANOWAR-Fans gefallen hat, werden METALFORCE nach dieser Tour mehr Tonträger verkaufen als vorher.

 

 

 

 

 

 

Nach kurzer Umbauzeit durften HOLYHELL ran. Im Publikum konnte man schon deutlich mehr Leute beobachten, die zur Musik gefällig mit dem Kopf nickten: der eine oder andere Song war dem Publikum nicht ganz unbekannt. Die Stimme der Sängerin hat Substanz, der Keyboarder muss sich nicht hinter der Bühne verstecken, die Songs haben Melodie und bleiben dabei Metal - etwas anderes kann sich MANOWAR als Vorband definitiv nicht erlauben. Aber es gibt wohl weltweit kein eindeutiger eingestelltes Publikum als MANOWAR-Fans. Und die applaudierten HOLYHELL zwar brav, aber wollten doch nur „ihre“ Helden sehen.

 

 

 

 

 

Und die erschienen mit knapp 10 Minuten Verspätung auf der Bühne. Und „Erscheinen“ ist wörtlich gemeint: hinter einem Vorhang konnte man zunächst die Schattenrisse der einzelnen Bandmitglieder erkennen - wie auf den immer gleichen Plattencovern posierend. Der Vorhang fiel im MANOWAR-typischen Donnergrollen und los ging’s. Gib‘ dem Publikum was es erwartet - das war von der ersten bis zur letzten Minute MANOWARs Motto: Musik, Lyrics, Bühnenauftreten und optische Effekte, MANOWAR ließen nichts aus. Irgendwie hat man das Gefühl, die Band dreht sich regelrecht in ihrem eigenen Klischee. Sie beschwören mit Gesten, mit ihrem Sound und in ihren Texten dasselbe, und versuchen die Fans zumindest für den Konzertabend darin aufzunehmen. Dies mag bei den jüngeren Metalfans noch funktionieren, denn diese leben das MANOWAR-Klischee auch im Alltag: schwarzes Leder, glänzende Nieten und lange Haare sollen für Kampf und Ehre für die „einzig wahre“ Musikrichtung, dem True Metal stehen. Der Großteil des Publikums hat die 30 oder gar 40 jedoch schon längst überschritten und steht mitten im Berufs- oder Familienleben und will ganz einfach mal wieder selbstgemachte Musik hören und hat wahrscheinlich mehr BON JOVI- als MANOWAR-Alben im Schrank. Und die langen Haare sind hier auch schon längst ab, äußerlich reicht es gerade mal zum schwarzen T-Shirt und einer alten Jeans. Wissend, dass die MANOWAR-Gründungsmitglieder auch bereits über 50 sind, beschleicht einen das Gefühl, als ob die Jungs hinter der Bühne genauso normal sind …

 

 

 

 

 

Doch zurück zur MANOWAR-Show. Die ersten Songs kamen handwerklich OK rüber, aber erst bei dem Klassiker „Kings Of Metal“ kam Leben ins Publikum. Wie gesagt, die MANOWAR-Fans haben einen anderen Altersdurchschnitt als die Zahnspangenträger bei nem TOKIO HOTEL-Gig. Die Stimme von Sänger Eric Adams wurde erst mit der Zeit langsam warm. Ist aber auch nicht so wichtig, denn die MANOWAR-Texte sind eher gepredigte Beschwörung als Gesang. In der Mitte des Sets plauschte Bandleader Joey DeMaio ein bisschen mit dem Publikum - in passablem Deutsch. American Entertainment. Ein junger Fan durfte auf die Bühne, um mit der Band auf der Gitarre zu schrammeln. Natürlich wurden auch ein paar weibliche Fans auf die Bühne gelassen, „heiße Mädchen“, wie DeMaio bemerkte, zwei davon aus Italien übrigens. Ging die Tour etwa wegen mangelnder Nachfrage nicht durch Italien? Es gab die üblichen Macho-Sprüche zu hören, nackte Brüste zu sehen und es wurde Bier aus Dosen getrunken. Das lockerte den gemäß des True-Metal-Mottos ernsten Beginn endlich etwas auf und in der zweiten Hälfte des Gigs war nun Stimmung in der Bude. Klischee ist ja schön und gut, aber Musik sollte Künstlern und Publikum doch in erster Linie Spaß machen. Und so flogen zum Ende des Gigs die Haare der Fans, wurden Fäuste und klatschende Hände nach oben gestreckt und lautstark mitgesungen. Livekonzert-Feeling eben.

 

 

 

 

 

 

MANOWAR wollten nie eine progressive Band sein; musikalische Weiterentwicklung wird bei MANOWAR mit Verrat und Abtrünnigkeit abgetan. True Metal wurde Anfang der 80ger Jahre von MANOWAR unveränderbar institutionalisiert. Nie fielen die langen Haare, der musikalische Stil und die Texte blieben immer gleich - und das in über 30 Jahren Bandgeschichte. Wer also etwas anderes erwartet hätte, wäre schwer enttäuscht worden. Die MANOWAR-Show war True Metal, aber man darf dabei nie vergessen, dass es nicht umsonst „Show“ heißt. Jeder Showmaster, jeder Entertainer ist abseits der Bühne ein Normalo, wird erwachsener, verändert und entwickelt sich. Wie „echt“ kann also True Metal sein? Kann der unveränderbare True Metal diese Grenzen sprengen? Die Antwort ist einfach: Nein. Denn der Geschmack des Publikums entwickelt sich mit den Jahren weiter; abzulesen daran, dass MANOWAR in München heutzutage nicht mehr in der Olympiahalle spielen.

 

 

 

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